Therapie-Studien
 

            

 

WAS IST EINE THERAPIESTUDIE?

Eine Therapiestudie beinhaltet ein neues Behandlungskonzept, das nach den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen Aussichten hat, erfolgreicher zu sein als die bisher übliche Behandlung.

Die Teilnehmer an einer Studiengruppe erhalten häufig als erste die Chance, die verbesserte Wirksamkeit neuer Therapie-Ansätze zu erfahren.

Neue Wirkstoffe werden nicht einfach so an Patienten ausprobiert. Dahinter stehen Fortschritte in Wissenschaft und Medizin, die das Ergebnis neuer Ideen und langer Entwicklungen sind.

Die Suche nach besseren Wegen zu einer erfolgreichen Therapie beginnt im Labor in endlosen Testreihen. Danach wird auch in Tierversuchen getestet.

Stets wird untersucht, welche der neuen Methoden oder Wirkstoffe mit der jeweils grössten Wahrscheinlichkeit viel Erfolg haben wird und wie man sie möglichst sicher und effektiv anwenden kann.

Nur die erfolgversprechenden Wege werden weitergeführt und auch an Patienten geprüft. Dies ist weltweit wie übliche (und einzig mögliche) Methode, theroretische Überlegungen zu verlassen und zu praktisch nutzbaren Erkenntnissen zu kommen.

Durch Therapiestudien, z.B. in der Krebsforschung und -behandlung erkennt man, ob eine neue Behandlungsweise besser ist als eine bisher erprobte. Therapiestudien sind also Verbindungsglieder zwischen der medizinischen Forschung und der Behandlung erkrankter Patienten.

 

WARUM SO AUFWENDIGE STUDIEN?

Untersuchungen im Rahmen grösserer Studien mit vielen Teilnehmern werden benötigt, weil Einzelfälle wissenschaftlich nicht aussagekräftig sind. Dessen ungeachtet verbreitet die Boulevardpresse nur zu gerne Meldungen von "sensationellen Einzelerfolgen". Aber eben diese Einzelfälle sind nicht wirklich verwertbar. Denn der Einzelfall - sogar, wenn er absolut glaubwürdig sein sollte - bezieht sich stets nur auf einen einzigen Menschen und kann natürlich Zufall sein.

So sind z.B. spontane Heilungen (= ohne Behandlung) bei fast allen Erkrankungen, wenn auch selten, beobachtet worden. Die Wissenschaft hingegen sucht nach wiederholbaren Erfolgen, die vielen Menschen verläßlich und nicht zufällig helfen. Alle Forschungsarbeit kann jedoch nicht vorhersagen, ob die neue Behandlungsform nach den Tests im Labor und in Tierversuchen auch bei Menschen genauso effektiv wirken wird.

Bei jeder Therapie können Risiken auftreten, die trotz aller sorgfältig erwogenen Wahrscheinlichkeit vorher nicht bekannt sind. Therapiestudien sollen herausfinden, ob eine neue Behandlungsform nicht nur wirksamer, sondern auch sicher ist. Mit den Erfahrungen, die während der Studie gesammelt werden, lernt man immer mehr über die neue Behandlung.

Bevor eine Therapiestudie überhaupt begonnen wird, muß es jedoch Hinweise darauf geben, daß die neue Behandlungsmethode erfolgreicher sein wird. Jeder seriöse Arzt möchte aufgrund einer wissenschaftlichen Grundlage behandeln, die echte Wirkung unter Beweis gestellt hat.

Bei einer Therapiestudie soll eine Behandlung geboten werden, die mit großer Wahrscheinlichkeit entweder ebenso gut sein wird wie die "Standardtherapie" oder - und das ist das eigentliche Ziel - noch erfolgreicher.

Standardtherapien nennt man Behandlungen, die nach heutigem Erkenntnisstand die beste Aussicht auf Erfolg haben. Viele der heutigen Standardtherapien sind erst durch Therapiestudien als wirksam erkannt worden oder haben sich aus Therapiestudien als Standard entwickelt.

Heute sind sie oft Grundlage für neue, vielleicht wieder bessere Behandlungsmethoden. Eine Therapiestudie darf vom Gesetzgeber her nur durchgeführt werden, wenn eine Ethikkommission ihre Zustimmung erteilt hat.

Diese Ethikkommissionen sind in Deutschland extrem streng und erlauben eine Therapiestudie nur dann, wenn sie tatsächlich eine Verbesserung der traditionellen Therapie verspricht. Patienten sind daher keine "Versuchskaninchen"

 

 

MÖGLICHE ARTEN VON THERAPIESTUDIEN

Der Schwerpunkt einer Therapiestudie kann unterschiedlich sein: In einigen Studien geht es vorrangig um die Entwicklung und Erprobung der Wirksamkeit neuer Medikamente.

Andere Therapiestudien befassen sich mit der Bestätigung und Weiterentwicklung von bereits etablierten Behandlungsmethoden (= sog. Therapie-Optimierungs- Studien).

Auch ein Vergleich von Standardtherapien mit neuen Methoden ist möglich. In diesen Studien kann ebenfalls die Miteinbeziehung neuer Medikamente in den Therapieplan erfolgen.

Um einen Vergleich zwischen den Gruppen zu ermöglichen, ist es Voraussetzung, daß der Arzt geeignete Patienten nach Alter, Geschlecht, Konstitution, Krankheitsbild und -verlauf für die jeweilige Studie aussucht. Welcher Patient die jeweilige Behandlungsmethode ausgewählt wird, entscheidet sich nach statistischen Gesichtspunkten (Randomisierung) und nicht nach persönlichen Einschätzungen. Nur so kann das Ziel Studie, Bestätigung oder Verbesserung einer Behandlung, erreicht werden.

Wichtig ist, daß der Patient die nach derzeitigem Wissen geeignetste Standardtherapie für seine Erkrankung erhält. Ob eine neues Medikament oder eine neue Therapie wirklich besser ist, muß geklärt werden.

 

Man unterscheidet vier Phasen:

Zum besseren Vergleich der Wirksamkeit einer Behandlung und zum Informationsgewinn wird versucht, die Therapiestudie in verschiedene Abschnitte (Phasen) aufzuteilen. Die scharfe Abgrenzung ist nicht immer möglich, jedoch baut eine neue Phase einer Therapiestudie auf den Informationen und Erfahrungen der vorherigen Abschnitte auf.

Je nach dem bisherigen Erkenntnisstand zur Erkrankung, deren Stadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand, werden Patienten um ihre Mitarbeit und Teilnahme an bestimmten Phasen solcher Studien gebeten. Nur wenn diese Bedingungen bei allen Beteiligten gleich sind, können verschiedene Therapiemethoden miteinander verglichen werden.

Nicht jede Studie ist für jeden Patienten geeignet.

 

Phase I:

Eine neue Behandlungsmethode wird gesunden Personen oder Patienten angeboten, für die es heute noch keine andere ausreichend oder befriedigend wirkende Therapie gibt. Die Mediziner müssen u.a. herausfinden, welche Dosierung eines neuen Medikamentes den größten Erfolg verspricht.

Daher ist die Zahl der Patienten, die mit dieser Methode erstmals behandelt werden, zunächst sehr klein. Sorgfältig werden Wirksamkeit und Nebenwirkungen beobachtet, die bereits im Labor und in Tierversuchen intensiv getestet wurden.

Das Ziel dieser Phase der Therapiestudie ist, die Unbedenklichkeit einer Behandlungsmethode vorläufig zu bewerten und erste Erkenntnisse über physikalische, chemische, biologische und gegebenenfalls pharmakologische Effekte beim Menschen zu gewinnen.

Dennoch kann man nicht mit absoluter Sicherheit voraussagen, ob diese Behandlung auch bei Menschen die erhoffte günstige Wirkung haben wird.

Aus diesem Grund können Studien der Phase I auch Risiken mit sich bringen. Natürlich kann die neue Behandlungsmethode auch in der Phase I-Studie bereits wirksam sein.

Damit könnte einigen Patienten bereits früher, als es sonst vielleicht möglich wäre, geholfen werden.

 

Charakteristik der Phase:

- Humanpharmakologie

 

Hauptuntersuchungsziele:

- Verträglichkeit

- Dosierung

- Kinetik

 

Wirkung Personen, an denen die Untersuchung durchgeführt wird:

- Gesunde Versuchspersonen Anzahl: - 10 - 20

 

 

Phase II:

In diesem Abschnitt der Behandlung geht es darum, die Wirkung der Methode aufzuzeigen. Dazu wird üblicherweise die in der Phase I-Studie ermittelte optimale Dosierung an einer größeren Patientengruppe überprüft, um die Wirksamkeit sicher nach- weisen zu können.

Wenn eine Behandlung in Phase II eine deutliche Wirkung gegen die Krankheit gezeigt hat, ist eine optimale Ausgangssituation für die Planung größerer therapeutischer Studien geschaffen.

 

Charakteristik der Phase:

- Erste Anwendung an Patienten

 

Hauptuntersuchungsziele:

- Therapeutisch erwünschte und unerwünschte Wirkungen

- Dosierung

- Kinetik

 

Personen, an denen die Untersuchung durchgeführt wird:

- Patienten in Kliniken Anzahl: - 30 - 300 Phase III:

 

Um die Wirksamkeit einer genau festgelegten therapeutischen Anwendungsform abzuwägen, werden für diesen Abschnitt viele Patienten einbezogen. Dieses Vorgehen ist für die Absicherung der Behandlungsmethode unbedingt notwendig. Auch können in dieser Phase Kombinationen mit anderen Medikamenten oder Behandlungsformen (z.B. Operationen oder Strahlentherapien) eingesetzt werden.

In den meisten Fällen werden hier die Patienten verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt, wie bereits vorher beschrieben. Um möglichst schnell zu auswertbaren Ergebnissen zu kommen, von denen dann natürlich auch die nachfolgenden Patienten profitieren, werden möglichst viele Studien-Zentren daran beteiligt (= sog. Multicenter-Studien). Dadurch erhöht sich ausßerdem die Aussagekraft der Ergebnisse. Es sollen schließlich keine "Einzelfälle" untersucht werden.

 

Charakteristik der Phase:

- Kontrollierter klinischer Versuch oder

- Gleichwertige andere Methode

 

Hauptuntersuchungsziele:

- Wirksamkeit

- Unerwünschte Arzneimittel-Wirkungen (UAW)

 

Personen, an denen die Untersuchung durchgeführt wird:

- Stationär oder ambulante Patienten, in der Regel in Prüfzentren Anzahl: - einige 100 bis mehrere 1.000

 

 

Phase IV:

Therapiestudien der Phase IV werden nach der Zulassung eines Medikamentes durch die Behörden durchgeführt. Jetzt dienen die Studien zum breiten Erfahrungsgewinn in der alltäglichen Anwendung. Dabei sollen unter anderem seltene unerwünschte Wirkungen, die Konsequenzen von nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch und Wechselwirkungen mit anderen (therapeutischen) Maßnahmen erkannt und ausgeschlossen werden.

Sehr häufig werden auch sogenannte Therapie-Optimierungs-Studien durchgeführt, die einer Verbesserung der Standardtherapie dienen. In den meisten Fällen werden hier Medikamente, die bereits zugelassen sind und über die also schon ausreichend Erfahrungen vorliegen, in neuen Dosierungen, unterschiedlich lange oder in Kombination mit anderen wirksamen Medikamenten eingesetzt.

 

Charakteristik der Phase:

- Kontrollierter klinischer Versuch oder

- Gleichwertige andere Methode

 

Hauptuntersuchungsziele:

- Breiter Erfahrungsgewinn in alltäglicher Anwendung

 

Personen, an denen die Untersuchung durchgeführt wird:

- Stationär oder ambulante Patienten, in der Regel in Prüfzentren Anzahl: - einige 100 bis mehrere 1.000

 

WAS HABEN SIE VON EINER THERAPIESTUDIE?

Es gibt sicher eine Reihe verschiedener Gründe, an einer Therapiestudie mitzuwirken. Der häufigste Grund ist die Hoffnung, daß einem selbst dadurch besser geholfen werden kann. Diese Hoffnung ist durchaus begründet. Es gibt zwar keine Gewähr dafür, daß die neue Behandlungsmethode so wie erhofft wirken wird - aber im Erfolgsfall gehört man zu den Ersten, die davon profitieren.

Zudem kann Ihr Engagement zusätzlich auch anderen Patienten helfen, denen es durch eine verbesserte Behandlung in Zukunft besser gehen wird.

Ärzte, die eine Therapiestudie durchführen, folgen einem gewissenhaft durchdachten Behandlungsplan. Darin ist beschrieben, was warum getan wird. Dieser Plan wird als Studienprotokoll bezeichnet. Auch wird eine Therapiestudie nur dann durchgeführt, wenn berechtigte Hoffnung besteht, daß die neue Therapie wirkungsvoller ist als die Standardtherapie.

Die Studien sind so geplant, daß Patientinnen und Patienten geschützt sind und wichtige Fragen möglichst präzise beantwortet werden können. Dabei werden alle Patienten besonders sorgfältig beobachtet und begleitet - auch über das Ende der Studie hinaus. Die Beobachtungen und Daten werden sorgfältig aufgezeichnet. Deshalb kann es sein, daß manchmal mehr Untersuchungen als sonst üblich durchgeführt werden: Dies dient der Beurteilung Ihrer Fortschritte und ist zur Datenerfassung erforderlich.

Ferner ist durch genaue Beobachtung im Verlauf der Krankheit eine größere Sicherheit gegeben. Sollte die Therapie nicht wie gewünscht wirksam sein, kann hier schneller reagiert werden.

Alle Teilnehmer einer Studie werden Teil eines "Netzwerkes" vieler Therapie- studien in Deutschland. Darin tauschen Ärztinnen und Ärzte sowie die Forschenden gemeinsam ihre Erfahrungen und Beobachtungen aus - natürlich personenneutral; der Datenschutz wird strikt beachtet. Nur die Meßprotokolle werden verwendet - Ihr Name taucht an keiner unbefugten Stelle auf.

An den meisten Tumorzentren werden Patienten, die an einer Studie teilnehmen, von einem speziellen Ärzteteam betreut. Später werden in dieses "Netzwerk" immer mehr Krankenhäuser und niedergelassene Onkologen eingegliedert, damit keinesfalls Einzelergebnisse zum Maßstab werden. Der Erfahrungsaustausch fängt schon vor Beginn der Studie an und setzt sich im Verlauf und auch nach dem Ende der Studie fort. Auf diese Weise ist eine sehr engmaschigige und langfristige Kontrolle möglich, und alle Behandlungseinflüsse können frühzeitig erkannt werden.

Man kann sich das wie bei Gericht in der Beweisaufnahme vorstellen: Nur beweis- bare Tatsachen zählen, Vermutungen sind nicht zugelassen und können sich auch nicht durchsetzen. Einer Therapiestudie sind Sie keinesfalls ausgeliefert. Sollte sich im Laufe der Studie herausstellen, daß die Behandlung nicht zu Ihrem Besten ist, werden Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen umgehend über andere Wege der Behandlung sprechen.

Die Ergebnisse der Studie werden ständig überprüft und Informationen zwischen allen beteiligten Zentren ausgetauscht. Stellt sich im Vergleich mit der Standardtherapie heraus, daß eine neue Methode zu unsicher oder zu wenig wirksam ist, wird die Studie abgebrochen. Stellt sich heraus, daß eine der Behandlungsformen deutlich erfolgreicher und besser ist, wird die Studie ebenfalls beendet: Dann bekommen nämlichst schnellst- möglich alle Patienten die erfolgreichere Behandlung.

 

RISIKEN, DIE SIE RICHTIG EINSCHÄTZEN SOLLTEN

Bei jeder Therapie - erst recht bei Krebserkrankungen - gibt es Risiken und Nebenwirkungen. Denn jede - auch die erfolgreichste - Behandlung ist letztlich ein Eingriff in körperliche Abläufe, auf die der Organismus reagiert. Eine intensive Behandlung wie die Krebstherapie kann natürlich erhebliche Nebenwirkungen haben.

Ziel der Behandlung ist es ja, die Krebszellen so zu schädigen, daß sie absterben. Das wesentliche Problem in der Krebstherapie ist dabei, auch dadurch auch gesunde Zellen geschädigt werden. Diese bis heute leider unvermeidliche Schädigung von gesunden Zellen ist die Ursache vieler Nebenwirkungen.

Das große Ziel der Krebsforschung bei der Entwicklung neuer Medikamente ist es deshalb, die Krebszellen zu vernichten, aber gesunde Zellen möglichst nicht zu schädigen. So könnte man viele Nebenwirkungen deutlich vermindern.

Bei der Planung einer Therapiestudie und der Auswahl neuer Medikamente legen die Wissenschaftlicher größten Wert darauf, daß die zu erwartenden Nebenwirkungen und Risiken möglichst gering sind. Doch Nebenwirkungen und Risiken sind nicht immer vorherzusehen. Sie können von Mensch zu Mensch völlig verschieden sein und nicht zuletzt auch vom persönlichen Befinden des Patienten abhängig.

Die Nebenwirkungen der meisten Medikamente gehen vorüber, wenn die Behandlung beendet ist. Dies darf man auch von denjenigen Medikamenten erwarten, die in Therapiestudien eingesetzt werden. Mit Therapiestudien wird Neuland erobert. Daher sind mögliche Risiken vor Beginn nicht immer klar einzuschätzen. Auch wenn vorab viel Mühe investiert wurde, um herauszufinden, welche Risiken entstehen könnten - manche unvorhersehbaren Nebenwirkungen können auch auf Dauer bleiben.

Andere können sehr ernst sein, zum Teil auch lebensbedrohend. Die speziellen Risiken einer für Sie in Frage kommenden Therapiestudie sollten Sie also in Ruhe und sehr ausführlich mit Ihren Ärzten besprechen, die die Therapiestudie betreuen. Scheuen Sie sich nicht, auch Ihre Sorgen und Bedenken anzusprechen. Fragen Sie so lange nach, bis alle Ihre Unklarheiten beseitigt sind.

 

TEILNAHME AN EINER THERAPIESTUDIE

Zu Ihrer genauen Information stellen wir Ihnen in diesem Abschnitt eine Übersicht zu der Teilnahme und den Vorteilen, die Sie durch die Mitarbeit an einer Thera- piestudie haben, zusammen. Sie entscheiden, ob Sie an einer Therapiestudie teilnehmen wollen.

Keine Studie darf und wird ohne Wissen und Zustimmung der Patienten erfolgen. Will ein Arzt eine Studie durchführen, benötigt er die Einwilligung der Patienten/Patientinnen, die daran teilnehmen sollen. Jede Einwilligung setzt aber voraus, daß zuvor ausführliche Information erfolgte. Juristisch nennt man diesen Vorgang daher "Einwilligung nach Aufklärung". Wenn man Ihnen also eine Teilnahme an einer Therapiestudie anbietet, müssen Sie von den durchführenden Ärzten verständliche Informationen über die Studieninhalte erhalten. Sie werden auch ein schriftliches Informationsmaterial bekommen.

Die "Einwilligung nach Aufklärung" erfolgt in der Regel schriftlich. Lesen Sie das Formular genau und denken Sie sorgfältig darüber nach. Erstellen Sie eine Liste mit Fragen, die für Sie noch offen sind. Bitten Sie Ihren Arzt um die Erklärung von Fachbegriffen, die Ihnen unverständlich sind.

Danach entscheiden Sie, ob Sie teilnehmen möchten. Selbstverständlich können Sie auch die Teilnahme ablehnen. Dadurch entstehen Ihnen keine Nachteile. Sie können jederzeit die Teilnahme aufkündigen. Eine schriftliche Einwilligung ist nicht endgültig! Das Unterschreiben eines Einwilligungsformulares bindet Sie nicht bis zum Ende einer Studie. Wenn Sie an einer Studie teilnehmen, erhalten Sie deshalb immer wieder neue Informationen über Ihre Behandlung. Es wird Ihnen alles mitgeteilt, was Ihre Bereitschaft verändern könnte, Teilnehmer der Studie zu bleiben.

Das bedeutet im KLARTEXT: Sie müssen keine Sorge haben, eines Tages wegen einer für Sie untragbar gewordenen Entscheidung weitermachen zu müssen.

 

Stetig kontrollierte optimale Betreuung:

Wie bereits mehrfach erwähnt, wird Ihr Gesundheitszustand während der Studie besonders sorgfältig überwacht. Daher erhalten Sie während der Studie auch eine besonders intensive Betreuung, die deutlich umfassender ist als bei der Standardtherapie ist.

Kosten/Versicherungsschutz:

Jede Therapiestudie wird sorgfältig überwacht. Geht es Ihnen während der Studie schlechter, werden die Ärzte dies mit Ihnen besprechen und Sie können, wenn es notwendig sein sollte oder dies Ihr Wunsch ist, aus der Studie ausscheiden. So erreicht man, daß Ihnen durch die Studie keine Nachteile entstehen.

Auch sind Sie während einer Therapiestudie abgesichert, da für alle Teilnehmer ein Versicherungsschutz gewährleistet ist. Das gilt insbesondere dann, wenn bei der Therapiestudie neue Medikamente, bei denen noch weniger Erfahrungen über mögliche Nebenwirkungen bestehen, zum Einsatz kommen. Die genauen Versicherungsbedingungen können Ihnen die Sie betreuenden Ärzte nennen und schriftlich übergeben.

 

DIE ROLLE DER PHARMAZEUTISCHEN INDUSTRIE BEI THERAPIESTUDIEN

Klinische Forschung, Entwicklung und Betreuung von Therapiestudien ist durch den besonderen Aufwand und die vielen beteiligten Menschen sehr teuer. Ärzte und Forscher sind deshalb fast immer darauf angewiesen, daß ihre Arbeit finanziell unterstützt wird. Die pharmazeutische Industrie erforscht und entwickelt neue Medikamente und stellt diese Patienten und Ärzten zur Verfügung. Außerdem werden auch immer wieder bekannte Medikamente auf ihre Verbesserungsfähigkeit überprüft.

Ziel aller Therapiestudien ist die Verbesserung der Behandlung. Bei neu entwickelten Medikamenten ist die amtliche Zulassung des betreffenden Medikamentes das Ziel einer Studie. Die Zulassung setzt den Nachweis von Wirksamkeit und Verträglichkeit voraus.

Therapiestudien werden zwar in der Regel durch pharmazeutische Unternehmen mitfinanziert, aber das bedeutet keinesfalls, daß sie Einfluß auf die Neutralität der Studie nehmen können. Dafür sind ohnehin zuviele Forscher, Ärzte und Patienten beteiligt. Die Therapieprotokolle sowie die Zielsetzung der Studien werden häufig von Universitäten entwickelt. Der Verlauf der Studien wird allein durch unabhängige wissenschaftliche Mitarbeiter und Ärzte geleitet, durchgeführt und kontrolliert.

 

FÜR WELCHE HÄMATOLOGISCHEN ERKRANKUNGEN GIBT ES THERAPIESTUDIEN?

Prinzipiell kommen alle Patienten mit Leukämien und Lymphomen für Therapiestudien in Betracht. Therapiestudien werden daher ständig neu konzipiert. Wenn Sie daran interessiert sind, an einer Therapiestudie teilzunehmen, erkundigen Sie sich bei Ihrem betreuenden Arzt oder bei dem für Sie zuständigen Studiensekretariat.

Nachfolgend sind einige Studienzentren für einzelne Lymphome und Leukämien aufgeführt. Meist sind viele Kliniken diesen Studien angeschlossen und stehen in ständigem Erfahrungsaustausch untereinander. Diese Aufführung kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da sich die Studienlandschaft in ständiger Entwicklung befindet. Wenn Sie Patient sind und weitere Informationen wünschen, können Sie sich gerne an die DLH-Geschäftstelle wenden:

 

Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe e.V.

Thomas-Mann-Str. 40

D-53111 Bonn

Tel.: 0228/390 44 0

Fax: 0228/390 44 22

email:  info@leukaemie-hilfe.de

internet: www.leukaemie-hilfe.de

 

 

AML-96 (Akute Myeloische Leukämie)

Studiengruppe der SHG Studienzentrale

Universitätsklinikum Medizinische Klinik 1

Fetscherstraße 74

D - 01307 Dresden

Tel: 0351/458 42 51

Fax: 0351/458 43 67

email: ehninger@mkl.med.tu-dresden.de

Internet: www.oncocenter.de

Studienleiter: Prof. Dr. G. Ehninger

 

Deutsche AML-Studiengruppe

(Acute Myeloid Leukemia Cooperative Group)

Studienzentrale: Universität Münster

Medizinische Universtätisklinik A

Albert-Schweitzer-Strasse 33

D - 48129 Münster

Tel: 0251/8345797

Fax: 0251/8349667

email: buechner@uni-muenster.de

Studienleiter: Prof. Dr. T. Büchner, Prof. Dr. W. Hiddemann, Dr. E. Lengfelder

 

AML Studiengruppe Ulm

Studienzentrale: Universitätsklinikum Ulm

Abt. Innere Medizin III

Robert-Koch-Straße 8

D - 89081 Ulm

Tel: 0731/500 24 395

Fax: 0731/500 24 405

email: aml.sekretariat@medizin.uni-ulm.de

Iinternet: www.uni-ulm.de/amlsgulm

Studienleiter: Prof. Dr. H. Döhner

 

AML-OSHO

(Ostdeutsche Studiengruppe für Hämatologie und Onkologie)

Studienzentrale: Universitätsklinikum Leipzig AöR

Abt. Hämatologie/Onkologie

Johannisallee 32 A

D - 04103 Leipzig

Tel: 0341/97-1 30 76 od. -50

Fax: 0341/97-1 30 59

Internet: www.uni-leipzig.de/~haemonko/

Studienleiter: Prof. Dr. D. Niederwieser

 

AML-SHG

Studienzentrale: Medizinische Hochschule Hannover

Abt. Hämatologie und Onkologie

Carl-Neuberg-Str. 1

D - 30625 Hannover

Tel: 0511/5 32-96 91, od. -51 12

Fax: 0511/5 32-36 11, od. -83 21

Internet: www.mh-hannover.de

Studienleiter: Prof. Dr. G. Heil

 

CML

(Chronische Myeloische Leukämie)

Studienzentrale für CML-III, CML-IIIa, CML-IV: III.

Med. Klinik Klinikum Mannheim oder Universität Heidelberg

Wiesbadener Strasse 7-11

D - 68305 Mannheim

Tel: 0621/3 83-41 68

Fax: 0621/3 83-42 39

email: cml.studie@uni-heidelberg.de

Studienleiter: Prof. Dr. R. Hehlmann

 

"Resoponse-adaptierte Behandlung der CML in 1. chronischer Phase"

Studienzentrale: Universitätsklinik Düsseldorf

Moorenstraße 5

D - 40255 Düsseldorf

Tel: 0221/81-1 88 90

email: Gattermann@med.uni-duesseldorf.de

Studienleiter: Prof. Dr. N. Gattermann

 

German Speaking Myeloma Multiventer Group

(GMMG)

Medizinische Klinik und Poliklinik V

Universitätsklinikum Heidelberg

Hospitalstraße 3 D - 69115 Heidelberg

Tel: 06221/56 80 03

Fax: 06221/5 65 58-13 od. -19

email: hartmut_goldschmidt@med.uni-heidelberg.de

Studienleiter: PD Dr. H. Goldschmidt, Dr. T. Möhler

 

Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom

Medizinische Klinik II

Universtitätsklinik Tübingen

Otfried-Müller-Str. 10

D - 72076 Tübingen Tel: 07071/29-8 28 08

Fax: 07071/29-36 75

Studienleiter: Prof. Dr. H. Einsele

 

Studiengruppe "Refraktäres Multiples Myelom"

"Thalomid, Cyclophosphamid, orales Idarubicin und Dexamethason (T-CID) als Induktionstherapie sowie randomisierter Vergleich von Thalomid allein od. in Kombination mit oralem Idarubicin zur Erhaltungstherapie bei Patienten mit refraktärem multiplem Myelom"

Universitätsklinikum Bonn

Med. Klinik und Poliklinik I

Sigmund-Freud-Str. 25

D - 53105 Bonn

Tel: 0228/2 87-55 07

Fax: 0228/2 87-58 49

Studienleiter: PD Dr. A. Glasmacher, Prof. Dr. I. Schmidt-Wolf

 

Westdeutsche Myelom-Studiengruppe

Studienzentrale: Universitätsklinik Düsseldorf

Moorenstr. 5

D - 40225 Düsseldorf

Tel: 02211/81-177 25 od -1 77 20

email: Kobbe@uni-duesseldorf.de

Studienleiter: Dr. R. Fenk, Dr. G. Kobbe

 

"Thalomid als Dauertherapie bei Patienten mit MDS oder Osteomyelofibrose"

Studienzentrale: Universitätsklinik Düsseldorf

Med. Klinik A

Moorenstr. 5

D - 40225 Düsseldorf

Tel: 0211/8 11-77 20

Fax: 0221/8 11-88 53

email: Gattermann@med.uni-duesseldorf.de

Studienleister: Prof. Dr. N. Gattermann, Fr. Dr. Stupp

 

"Therapie mit einem Farnesyltransferaseinhibitor"

Universitätsklinik Düsseldorf

email: Gattermann@med.uni-duesseldorf.de

Studienleiter: Prof. Dr. N. Gattermann, Fr. Dr. Kündgen

 

Deutsche MDS-Studiengruppe (Myelodisplastisches Syndrom)

"Immunmodulatorische Behandlung myelodispalistischer syndrome mit Antihymozytenglobulin/Cyclosphorin A" Studienzentrale: Med. Hochschule Hannover

Abt. Hämatologie/Onkologie

Karl-Neuberg-Str. 1

D-30625 Hannover

Tel: 0511/5 32-30 20

Fax: 0511/5 32-36 11

Studienleiter: Prof. Dr. A. Ganser

 

"Wirksamkeit von all-trans-Retinsäure bei MDS-Patienten mit isoliertem 5qminus-Defekt"

Studienzentrale: St.-Johannes-Hospital Duisburg

Med. Klinik II

An der Abtei 7-11

D-47166 Duisburg

Tel: 0203/5 46-24 80

Fax: 0203/5 46-24 79

email: giagouni@u...

internet: www.krebs-duisburg.de

Studienleiter: Prof. Dr. C. Aul, Dr. A. Giagounidis

 

"Behandlung fortschrittener MDS-Syndome mit niedrig dosiertem Decitabine"

(kooperative Studie der Deutschen MDS-Studiengruppe, EORTC und GIMEMA)

Studienzentrale: Med. Universitätsklinik Freiburg

Abt. Hämatologie und Onkologie

Hugstetterstrasse 55

D -79160 Freiburg

Tel: 0761/2 70-34 01

Fax: 0761/2 70-36 90

email: luebbert@m....de

Studienleiter: PD Dr. M. Lübbert

 

 

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