Blutbildung
 

            

 

Funktion der normalen Blutbildung

 

Bestandteile des Blutes

Das Blutvolumen eines erwachsenen Menschen beträgt ca. 6 – 8 % des Körpergewichtes. Dies entspricht ca. 5 – 6 Liter.

Das Blut besteht einerseits aus Zellen, den Blutkörperchen, und andererseits aus der Blutflüssigkeit, dem Plasma.

 

Bestandteile der Blutkörperchen sind

die roten Blutkörperchen/Erythrozyten

die weißen Blutkörperchen/Leukozyten

die Blutplättchen/Thrombozyten

 

Bestandteile des Plasmas sind

Gerinnungsfaktoren

Serum

 

Die roten Blutkörperchen/Erythrozyten

Sie bilden den größten Teil der Blutzellen. Frauen haben in einem Kubikmilliliter (= mm³oder µl) ca. 4,1 Millionen – 5,4 Millionen Erythrozyten, Männer ca. 4,5 – 6,0 Millionen.

Die Hauptaufgabe dieser Zellen besteht im Transport von Sauerstoff. Hierfür sind die Blutkörperchen mit Hämoglobin, einem eisenhaltigen Eiweiß (Protein) ausgestattet.

Der Hämoglobingehalt des Blutes kann mit einfachen labortechnischen Untersuchungen gemessen werden. Dieser Hb-Wert beträgt beim Mann normalerweise 14 – 18 g/dl, bei Frauen 12 – 16 g/dl. Eine Erhöhung bzw. Verminderung dieses Wertes ist charakteristisch für bestimmte Krankheitsbilder. So ist bei der PV die Zahl der roten Blutkörperchen und damit auch der Hb-Wert stark erhöht.

Ein Hb-Wert bzw. eine Erythrozytenzahl unterhalb des Normbereiches wird als Anämie (Blutarmut) bezeichnet.

 

Die weißen Blutkörperchen/Leukozyten

Ihre Hauptaufgabe besteht in der Bekämpfung von Infektionen (Bakterien, Viren, Pilze usw.), und der Elimination von körperfremdem Material innerhalb des Körpers wie Giftstoffen, Fremdeiweiß usw.

Ihre Zahl schwankt im Blut zwischen 4.000 und 10.000 µl. Eine Leukozythenzahl unter 4.000 µl wird als Leukozytopenie, eine über 10.000 µl als Leukozytose bezeichnet.

Im Differentialblutbild können die drei Hauptgruppen der Leukozyten (Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten) und deren Reifegrad unterschieden werden.

 

Granulozyten

Sie bilden den Hauptanteil der weißen Blutkörperchen (ca. 55 – 75 %). Man bezeichnet sie als Granulozyten, weil sich in ihrem Zellplasma Körnchen (= lat.: granula) befinden, die sich mit verschiedenen Farbstoffen anfärben lassen.

Je nach Anfärbung unterscheidet man nach 3 Subtypen:

neutrophile Granulozyten

eosinophile Granulozyten

basophile Granulozyten

 

Zahlenmäßig überwiegen unter ihnen die neutrophilen Granulozyten („Neutrophile“). Sie sind in der Lage, zellfremde Substanzen wie Bakterien oder Pilze in sich aufzunehmen (Phagozytose) und mittels Enzymfreisetzung aus ihren Granula zu zerstören. Die Granulozyten halten sich nicht nur im Blut, sondern auch im Gewebe auf.

Die im Gewebe befindlichen Granulozyten bezeichnet man auch als Makrophagen (Fresszellen). Sie sind für die Abwehr von Erregern, die sich außerhalb der Zellen befinden, verantwortlich.

Wenn eine große Anzahl von Bakterien ins Gewebe eingedrungen ist, werden sehr viele dieser Neutrophilen angelockt, um die Infektion wirkungsvoll zu bekämpfen. Dabei entsteht Eiter, eine Ansammlung von toten Zellen und Zelltrümmern.

 

Monozyten

Monozyten sind die größten Zellen im Blut. Ihre Hauptaufgabe besteht ebenfalls in der Phagozytose von Fremdstoffen, die sie viel ausgeprägter durchführen können als die Granulozyten.

Zusätzlich sind die Monozyten in der Lage, von den aufgenommenen Fremdstoffen eine Art „Steckbrief“ ihrer Oberflächenstruktur (Antigene) zu verfassen. Diesen Steckbrief können sie dann an andere Blutzellen, bestimmte T-Lymphozyten (s. unten) weitergeben. Man nennt diesen Vorgang Antigenpräsentation.

Nach erneutem Eindringen des gleichen Fremdstoffs in den Organismus können die T-Lymphozyten dadurch sehr viel schneller diesen Fremdstoff erkennen und effektive Abwehrmaßnahmen in die Wege leiten, z.B. Produktion von spezifischen Antikörpern.

 

Lymphozyten

Sie machen ca. 25 – 40 % der weißen Blutkörperchen aus. Diese Zellen befinden sich nicht nur im Blut, sondern auch im lymphatischen Gewebe. Hierzu werden die Lymphknoten, die Lymphgefäße, der Thymus (ein kleines, hinter dem Brustbein gelegenes Organ) und die Milz gezählt.

Außerdem kommt im Magen-Darm-Trakt, in der Lunge und im Bronchialsystem sowie den Tonsillen (= Rachenmandeln) lymphatisches Gewebe vor.

Die Hauptaufgabe dieser Zellen besteht in einer gezielten Abwehr von Fremdstoffen, insbesondere Infektionserregern, aber auch von veränderten Zellen, wie z.B. Tumorzellen.

Alternativ können Lymphozyten auch andere Leukozyten zur Unterstützung herbeiholen. Je nach Oberflächenstruktur dieser Zellen unterscheidet man B- und T-Lymphozyten.

Die B-Lymphozyten produzieren spezifische Antikörper gegen fremde Antigene. Diese Antikörper können, zusammen mit dem im Blut befindlichen Komplementensystem (eine Kaskade hochaktiver Proteine), fremde Zellen wie Bakterien, Pilze usw., aber auch veränderte Körperzellen (z.B. Tumorzellen oder von Krankheitserregern befallene Zellen) sehr effektiv vernichten.

Die T-Lymphozyten erkennen auch direkt fremde Zellen. Sie können nach einer Knochenmarkstransplantation die Zellen des Spenders zerstören und damit eine Transplantabstoßung verursachen. Blutplättchen/Thrombozyten Sie sind die kleinsten Blutkörperchen und besitzen ebenso wie die Erythrozyten keinen Zellkern.

Die normale Thrombozytenzahl beträgt im Blut ca. 150.000 – 450.000 µl. Befinden sich zu viele Thrombozyten im Blut, spricht man von einer Thrombozythose oder Thrombozythämie. Eine Verminderung der Thrombozyten heißt Thrombozytopenie.

Ihre Hauptaufgabe besteht darin, sich zusammenzuballen, um kleine Gefäßschäden abzudichten und durch Freisetzung von Substanzen die Blutgerinnung zu aktivieren und in Gang zu halten, um Blutungen zu verhindern. Dabei arbeiten sie mit bestimmten Proteinen im Blut, den Gerinnungsfaktoren, zusammen.

Hierbei kommt es zur Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus), das das Gefäß auch komplett verschließen kann. Findet dieser Vorgang in den Herzkranzgefäßen statt, kommt es zum Herzinfarkt. Löst sich ein Thrombus von der Gefäßwand und wandert mit dem Blutstrom in eine andere Körperregion, in der er dann kleine Arterien verstopft, spricht man von einer Embolie. Normalwerte der Blutbestandteile:

 

ROTES BLUTBILD:

 

Erythrozyten

Männer 4,5 – 6,0 Mio./µl

Frauen 4,1 – 5,4 Mio./µl

 

Hämoglobin (Hb)

Männer 14 – 18 g/dl

Frauen 12 – 16 g/dl

 

Hämatokrit

Männer 47 – 53 %

Frauen 40 – 48 %

 

 

WEIßES BLUTBILD:

Leukozyten 4.000 – 10.000 µl,

davon Neutrophile 55 – 75 %

Eosinophile 2 – 4 % Basophile 0 – 1 %

Monozyten 2 – 6 %

Lymphozyten 25 – 40 %

Thrombozyten 150.000 – 450.000 µl

 

 

Das Knochenmark

Nach der Geburt werden die Blutzellen ausschließlich im Knochenmark gebildet und ins Blut freigesetzt. Beim Erwachsenen befindet sich Blut bildendes Mark v.a. im Becken, den Oberarmknochen, im Brustbein, der Wirbelsäule und in den Oberschenkelknochen, aber auch in den Rippen.

Ein Erwachsener besitzt ca. 1,6 – 3,7 kg Knochenmark. Dabei handelt es sich ca. bei einem Drittel um Blut bildendes Mark, der Rest besteht aus Bindegewebe und Fett.

Ausgangspunkt für die Bildung aller Blutzellen ist die pluripotente Stammzelle. Unter dem Einfluss von Wachstumsfaktoren teilt und differenziert (Reifungsprozess) sich diese Stammzelle über mehrere Zwischenstufen bis zu den reifen Blutzellen, die ins Blut gelangen. Dieser Vorgang dauert ca. 10 – 14 Tage.

Mittlerweile stehen Wachstumsfaktoren auch als Medikamente zur Verfügung, mit deren Hilfe die Blutbildung gesteigert werden kann.

Bei der Blutbildung entwickeln sich aus der pluripotenten Stammzelle erythro-, granulo- und lymphopoetische Stammzellen, aus denen durch weitere Ausreifung Lymphozyten, Granulozyten, Monozyten, Erythrozyten und Thrombozyten hervorgehen.

Die Blutbildung im Knochenmark stellt einen sehr komplexen und komplizierten Vorgang dar. Störungen dieses Ablaufs durch Auskopplung von der normalen Wachstumsregulation und fehlerhafte Ausreifung der Vorläuferzellen führen zur Entstehung von Leukämien, Lymphomen oder MPD-Formen.

Bei den Leukämien unterscheidet man ganz allgemein zwischen akuten und chronischen Leukämien. Bei akuten Leukämien ist der Verlauf kurz, der Krankheitsbeginn abrupt.

Chronische Leukämien entwickeln sich meistens langsam und haben einen längeren Verlauf. Allerdings lassen diese Bezeichnungen keine Rückschlüsse auf den Schweregrad der Erkrankung zu.

 

WACHSTUMSFAKTOREN

 

Faktor G-CSF

Aufgabe: Bildung von Granulozyten

 

Faktor GM-CSF

Aufgabe: Bildung von Granulozyten und Makrophagen

 

Faktor Eythropoetin

Aufgabe: Bildung von Erythrozyten

 

Faktor Thrombopoetin

Aufgabe: Bildung von Thrombozyten

 

 

      Berichte   ErfahrungenMedizinischesNachrichtenKontakt